Bitcoin-Mining wird immer grüner!

(07.08.26) Der weltweite Energieverbrauch des Bitcoin-Netzwerks steigt weiter – gleichzeitig verbessert sich jedoch dessen Strommix deutlich. Vorläufige Zahlen des Cambridge Centre for Alternative Finance zeigen, dass inzwischen 59,4 Prozent der beim Bitcoin-Mining eingesetzten Energie aus emissionsarmen Quellen stammen sollen. Dazu zählen erneuerbare Energien wie Wasser-, Wind- und Sonnenkraft sowie Atomenergie.

Damit erreicht der Anteil klimafreundlicherer Energiequellen einen neuen Höchststand. Bei der vorherigen Cambridge-Erhebung lag dieser Wert noch bei 52,4 Prozent. Innerhalb relativ kurzer Zeit ist der Anteil somit um sieben Prozentpunkte gestiegen. Besonders bemerkenswert: Wasserkraft hat Erdgas als größte einzelne Energiequelle des Bitcoin-Minings abgelöst.

Die neuen Daten widersprechen damit dem häufig vermittelten Eindruck, Bitcoin werde überwiegend mit besonders schmutzigem Kohlestrom erzeugt. Der hohe Energieverbrauch bleibt zwar ein berechtigter Kritikpunkt. Für die Umweltwirkung ist jedoch nicht allein entscheidend, wie viel Strom verbraucht wird, sondern vor allem, aus welchen Quellen dieser Strom stammt.

Stromverbrauch steigt auf rund 190 Terawattstunden

Nach den vorläufigen Cambridge-Zahlen lag der auf ein Jahr hochgerechnete Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks im Dezember 2025 bei rund 190 Terawattstunden. Gegenüber dem Stand von 138 Terawattstunden im Juni 2024 entspricht dies einem Anstieg um etwa 38 Prozent innerhalb von 18 Monaten. Das Bitcoin-Netzwerk beansprucht damit schätzungsweise rund 0,6 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs.

Diese Entwicklung wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: Bitcoin-Mining wird grüner, benötigt aber gleichzeitig mehr Strom. Der Grund liegt vor allem in der stark gestiegenen Rechenleistung des Netzwerks. Je mehr Miner miteinander um die neuen Bitcoin-Blöcke konkurrieren, desto höher fällt der gesamte Energiebedarf aus.

Ein steigender Stromverbrauch bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die klimaschädlichen Emissionen im gleichen Tempo zunehmen. Wird ein wachsender Teil der Energie durch Wasser-, Wind-, Solar- oder Atomkraft erzeugt, kann der Ausstoß von Treibhausgasen langsamer steigen als der Stromverbrauch. Genau auf diese Entwicklung deuten die neuen Cambridge-Zahlen hin.

Warum Miner emissionsarme Energie suchen

Der Wandel des Energiemixes erfolgt nicht allein aus Umweltbewusstsein. Für Mining-Unternehmen ist der Strompreis einer der wichtigsten Kostenfaktoren. Sie suchen deshalb bevorzugt nach Energiequellen, die dauerhaft günstig und möglichst zuverlässig verfügbar sind. Das führt Miner häufig in Regionen mit großen Wasserkraftwerken, überschüssiger Windenergie oder besonders niedrigen Strompreisen.

Bitcoin-Mining besitzt dabei eine besondere Eigenschaft: Die Rechenzentren können grundsätzlich dort errichtet werden, wo Energie vorhanden ist. Sie müssen nicht in der Nähe großer Städte oder industrieller Ballungszentren liegen. Dadurch kann theoretisch auch Strom genutzt werden, der wegen fehlender Leitungen, geringer lokaler Nachfrage oder zeitweiser Überproduktion andernfalls nicht vollständig vermarktet werden könnte.

Gerade Wasserkraft spielt deshalb eine immer größere Rolle. In Regionen mit großen saisonalen Stromüberschüssen können Mining-Anlagen als flexibel zuschaltbare Abnehmer auftreten. Fallen Stromangebot oder Netzkapazität, lassen sich die Rechner vergleichsweise schnell abschalten. Ob dies tatsächlich einen positiven Beitrag zum jeweiligen Stromnetz leistet, hängt jedoch stark vom Standort und von den konkreten Verträgen ab.

Der Umweltvorwurf ist nicht vollständig entkräftet

Die neuen Zahlen sind positiv, sollten aber nicht überinterpretiert werden. Ein Anteil von 59,4 Prozent emissionsarmer Energie bedeutet umgekehrt, dass weiterhin gut 40 Prozent des Stroms aus fossilen Quellen stammen. Zudem verursacht auch der Bau von Wasserkraftwerken, Solaranlagen, Windrädern, Atomkraftwerken und Mining-Hardware ökologische Belastungen.

Hinzu kommt, dass es sich bislang um vorläufige Ergebnisse handelt. Die endgültige Cambridge-Studie für 2026 liegt noch nicht vollständig veröffentlicht vor. Die bisher verbreiteten Zahlen basieren auf ersten Forschungsergebnissen und Branchenbefragungen. Bei solchen Erhebungen kann nie jede einzelne Mining-Anlage weltweit erfasst werden. Auch die Cambridge-Forscher weisen bei früheren Studien darauf hin, dass ihre Daten nur einen Teil der globalen Mining-Aktivität direkt abbilden. Die Ergebnisse werden anschließend auf das gesamte Netzwerk hochgerechnet.

Auch der Begriff „grün“ sollte differenziert verwendet werden. Atomkraft gilt beispielsweise als emissionsarm, ist aber keine erneuerbare Energiequelle. Wasserkraft verursacht im laufenden Betrieb geringe Emissionen, kann beim Bau großer Staudämme jedoch erhebliche Eingriffe in Ökosysteme auslösen. Entscheidend ist deshalb nicht nur die pauschale Energiequelle, sondern auch deren konkrete Herkunft.

Was die Entwicklung für Anleger bedeutet

Für Bitcoin-Anleger sind die Cambridge-Zahlen vor allem im Hinblick auf Regulierung und öffentliche Akzeptanz relevant. Der hohe Energieverbrauch des Netzwerks wird seit Jahren als Argument für strengere Auflagen, zusätzliche Berichtspflichten oder Einschränkungen des Minings verwendet. Je stärker der Anteil emissionsarmer Energie steigt, desto schwächer wird das pauschale Argument, Bitcoin basiere überwiegend auf klimaschädlichem Strom.

Die Entwicklung könnte zudem institutionellen Investoren entgegenkommen. Banken, Versicherungen, Vermögensverwalter und Pensionskassen müssen ihre Investitionen zunehmend nach Nachhaltigkeitskriterien beurteilen. Ein besserer Energiemix beseitigt zwar nicht alle ESG-Bedenken, erleichtert aber eine sachlichere Bewertung von Bitcoin.

Sie sollten Bitcoin dennoch nicht allein wegen eines steigenden Anteils erneuerbarer Energien kaufen. Für Ihre Anlageentscheidung bleiben vor allem Kursrisiko, Regulierung, Verwahrung, persönliche Risikotragfähigkeit und die langfristige Rolle von Bitcoin entscheidend. Die Cambridge-Zahlen sind kein Kaufsignal, aber ein wichtiger Baustein für eine ausgewogenere Beurteilung des Netzwerks.

Mein Fazit: Bitcoin-Mining benötigt weiterhin enorme Mengen an Strom

Wer diese Tatsache bestreitet, macht es sich zu einfach. Ebenso verkürzt ist jedoch die Behauptung, Bitcoin werde hauptsächlich mit schmutziger Energie betrieben und sei deshalb grundsätzlich umweltschädlich.

Der Anteil emissionsarmer Energie ist nach den vorläufigen Cambridge-Zahlen von 52,4 auf 59,4 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat Wasserkraft Erdgas als wichtigste einzelne Energiequelle abgelöst. Damit verbessert sich der ökologische Fußabdruck des Netzwerks, obwohl sein gesamter Strombedarf weiter zunimmt.

Der alte Umweltvorwurf verschwindet dadurch nicht vollständig, verliert aber weiter an Überzeugungskraft. Eine faire Bewertung muss deshalb beide Seiten berücksichtigen: Bitcoin ist energieintensiv – doch das Mining wird gleichzeitig effizienter, flexibler und zunehmend mit emissionsarmer Energie betrieben. 

Markus Miller

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