Swift bringt Blockchain ins Bankensystem!

(20.07.26) Swift gehört zu den wichtigsten technischen Grundlagen des internationalen Finanzsystems. Die Abkürzung steht für „Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication“. Dahinter steht eine genossenschaftlich organisierte Infrastruktur mit Sitz in Belgien, über die Banken, Wertpapierhäuser, Börseninfrastrukturen und große Unternehmen sicher miteinander kommunizieren.

Mehr als 11.500 Organisationen in über 200 Ländern und Gebieten sind an das Swift-Netzwerk angeschlossen. Wer Geld ins Ausland überweist, nutzt deshalb häufig indirekt Swift, ohne es zu bemerken. Das Netzwerk sorgt dafür, dass Zahlungsaufträge in einer einheitlichen, sicheren und für die beteiligten Banken verständlichen Form übermittelt werden.

Swift selbst ist allerdings keine Bank. Das Unternehmen verwahrt kein Kundengeld, führt keine Konten und überweist auch nicht unmittelbar den Geldbetrag. Es übermittelt vielmehr die dazugehörigen Finanznachrichten. Vereinfacht gesagt teilt die Bank des Absenders der Empfängerbank mit, wer welchen Betrag in welcher Währung an wen zahlen möchte. Die tatsächliche Verrechnung erfolgt anschließend über die beteiligten Banken und Zahlungssysteme.

Warum Swift für den Welthandel so wichtig ist

Die Bedeutung von Swift liegt vor allem in der gemeinsamen Sprache, die das Netzwerk der Finanzbranche zur Verfügung stellt. Ohne einheitliche Standards müssten Banken für nahezu jede internationale Verbindung eigene technische und rechtliche Verfahren entwickeln. Das wäre langsam, teuer und fehleranfällig.

Swift standardisiert daher Informationen wie Absender, Empfänger, Bankverbindung, Betrag, Währung und Verwendungszweck. Auch der sogenannte BIC, häufig als Swift-Code bezeichnet, dient dazu, eine Bank oder Finanzorganisation eindeutig zu identifizieren. Über die Infrastruktur werden Finanznachrichten in einem enormen Umfang ausgetauscht.

Nach Angaben von Swift bewegt das angeschlossene Finanzsystem innerhalb von zwei bis drei Tagen einen Gegenwert, der ungefähr der jährlichen weltweiten Wirtschaftsleistung entspricht. Genau deshalb ist der Einstieg des Netzwerks in die Blockchain-Technologie von weit größerer Bedeutung als ein gewöhnliches Pilotprojekt einer einzelnen Bank.

Vom Nachrichtennetz zum Blockchain-Ledger

Swift hat nun einen Blockchain-basierten Ledger entwickelt, der für einen ersten kontrollierten Praxiseinsatz bereitsteht. Ein Ledger ist ein digitales Hauptbuch beziehungsweise ein Transaktionsregister. Darin wird festgehalten, wem ein Vermögenswert zugeordnet ist und wie er übertragen wird.

17 internationale Banken aus sechs Kontinenten bereiten sich darauf vor, über diese Infrastruktur echte grenzüberschreitende Transaktionen durchzuführen. Zu den Teilnehmern gehören unter anderem BNP Paribas, BNY, Citi, DBS, HSBC, Lloyds Bank, MUFG, OCBC, Standard Chartered, UBS und Wells Fargo.

Dabei handelt es sich zunächst um eine begrenzte Einführungsphase und noch nicht um einen weltweiten Regelbetrieb. Dennoch ist der Schritt bemerkenswert: Swift hat die neue Infrastruktur eigenen Angaben zufolge innerhalb von neun Monaten vom Konzept bis zur Einsatzbereitschaft entwickelt.

Was tokenisierte Bankguthaben sind

Im Mittelpunkt stehen sogenannte tokenisierte Einlagen. Dabei wird ein klassisches Bankguthaben digital auf einem Blockchain-basierten Register abgebildet. Ein solcher Token kann beispielsweise für den Anspruch auf einen Euro, einen Schweizer Franken oder einen US-Dollar bei einer bestimmten Bank stehen.

Der Token ist damit kein gewöhnlicher Kryptowert wie Bitcoin. Er stellt vielmehr eine digitale Form eines bestehenden Bankguthabens dar und wird von einem regulierten Kreditinstitut ausgegeben. Der Anspruch richtet sich weiterhin gegen die jeweilige Bank.

Auch von einem Stablecoin ist die tokenisierte Einlage zu unterscheiden. Stablecoins werden häufig von spezialisierten Unternehmen ausgegeben und durch Reserven abgesichert. Eine tokenisierte Einlage ist dagegen unmittelbar mit einem Bankkonto beziehungsweise einer Forderung gegenüber einer Bank verbunden.

Zahlungen rund um die Uhr

Der zentrale Vorteil liegt in der jederzeitigen Übertragbarkeit. Tokenisierte Bankguthaben können grundsätzlich auch nachts, an Wochenenden und an Feiertagen bewegt werden. Das bisherige Bankensystem ist dagegen teilweise noch immer von Geschäftszeiten, Buchungstagen und technischen Annahmefristen abhängig.

Die beteiligten Banken sollen über den Swift-Ledger Zahlungen im Kundenauftrag koordinieren können. Dadurch könnten internationale Transaktionen schneller und flexibler ausgeführt werden. Swift spricht ausdrücklich von einer Verfügbarkeit rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche.

Für Unternehmen ist dies besonders relevant. Ein international tätiger Betrieb könnte Geld auch außerhalb der üblichen Bankzeiten bewegen und schneller erkennen, wann eine Zahlung eingegangen ist. Das erleichtert die Steuerung der Liquidität, also der kurzfristig verfügbaren Zahlungsmittel.

Eine Brücke zwischen verschiedenen Systemen

Viele Banken entwickeln bereits eigene Blockchain-Plattformen, digitale Einlagen oder tokenisierte Wertpapiere. Das Problem: Diese Systeme funktionieren häufig nur innerhalb einer Bank oder eines begrenzten Teilnehmerkreises. Es entstehen voneinander getrennte technische Inseln.

Swift will diese Inseln miteinander verbinden. Die neue Infrastruktur soll als gemeinsame Koordinierungsschicht dienen. Die Banken können ihre tokenisierten Einlagen weiterhin auf ihren eigenen Systemen führen, während Swift den Informationsaustausch und die Abstimmung zwischen ihnen organisiert.

Der dafür häufig verwendete Fachbegriff lautet „Interoperabilität“. Gemeint ist die Fähigkeit unterschiedlicher Netzwerke, Daten und Vermögenswerte miteinander auszutauschen. Swift könnte damit zu einer Brücke zwischen klassischen Bankkonten, privaten Bank-Blockchains und weiteren regulierten Netzwerken für digitale Vermögenswerte werden.

Kein vollständiger Ersatz des Bankensystems

Wichtig ist jedoch: Die endgültige Verrechnung findet zunächst weiterhin über bestehende Zahlungssysteme statt. Der Blockchain-Ledger koordiniert die Bewegung der tokenisierten Einlagen. Der rechtlich und bilanziell abschließende Zahlungsausgleich erfolgt vorerst über die bekannten Strukturen.

Dieser endgültige Abschluss wird als „Final Settlement“ bezeichnet. Erst dann ist eine Zahlung unwiderruflich verrechnet. Bis zu diesem Zeitpunkt können Zahlungsaufträge, Bestätigungen und Zwischenbuchungen zwischen verschiedenen Teilnehmern ausgetauscht werden.

Swift baut somit keine vollständig neue Parallelwelt zum bestehenden Finanzsystem auf. Die Organisation verfolgt einen pragmatischen Ansatz: Neue Blockchain-Technologie wird mit den bereits etablierten Banken, Kontrollmechanismen und Abwicklungswegen verbunden.

Regulierung und Kontrollen bleiben bestehen

Die Nutzung einer Blockchain bedeutet nicht, dass Zahlungen anonym oder unkontrolliert erfolgen. Die neue Infrastruktur richtet sich an regulierte Finanzinstitute. Vorgaben zur Identitätsprüfung, Geldwäschebekämpfung, Sanktionskontrolle und Betrugsprävention bleiben bestehen.

Auch Kredit- und Gegenparteirisiken verschwinden nicht. Wenn eine tokenisierte Einlage von einer Bank ausgegeben wird, hängt ihr Wert weiterhin davon ab, dass dieses Institut seine Verpflichtungen erfüllen kann. Die technische Form verändert nicht automatisch die rechtliche Qualität der Forderung.

Swift betont deshalb, dass Banken die höhere Geschwindigkeit nutzen sollen, ohne bestehende Standards für Sicherheit, Compliance, Kreditrisiken und interne Kontrollen aufzugeben. Genau diese Verbindung aus Innovation und regulierter Infrastruktur dürfte für die beteiligten Institute besonders wichtig sein.

Vorteile für Banken und Unternehmen

Banken könnten ihre Liquidität effizienter einsetzen. Im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr müssen Institute heute teilweise Guthaben auf verschiedenen Konten, bei Korrespondenzbanken und in unterschiedlichen Währungen vorhalten. Schnellere und besser abgestimmte Zahlungen könnten diesen Kapitalbedarf reduzieren.

Unternehmen erhalten möglicherweise eine bessere Übersicht über ihre Zahlungsströme. Wenn Ein- und Ausgänge nahezu in Echtzeit sichtbar werden, lassen sich Rechnungen, Lieferungen und Finanzierungen genauer aufeinander abstimmen.

Hinzu kommt eine potenziell höhere Transparenz. Der Status einer Transaktion könnte über die beteiligten Systeme hinweg besser nachvollziehbar sein. Das reduziert Rückfragen und erleichtert die Suche nach Fehlern oder Verzögerungen.

Was sich für Privatkunden ändern könnte

Privatkunden werden von der neuen Technik zunächst vermutlich wenig sehen. Sie benötigen voraussichtlich keine eigene Blockchain-Wallet und müssen auch keine Token selbst verwalten. Die Infrastruktur soll im Hintergrund der bestehenden Bankanwendungen arbeiten.

Langfristig könnten Auslandsüberweisungen schneller und zuverlässiger werden. Auch Zahlungen am Wochenende oder außerhalb der üblichen Geschäftszeiten könnten häufiger möglich sein. Zudem könnten Kunden den Bearbeitungsstand genauer verfolgen.

Ob grenzüberschreitende Überweisungen dadurch automatisch günstiger werden, ist allerdings offen. Neben technischen Kosten entstehen weiterhin Gebühren für Währungsumrechnung, regulatorische Prüfungen, Betrugsprävention und die Beteiligung verschiedener Banken.

Grundlage für programmierbares Geld

Der Blockchain-Ledger könnte später weitere Anwendungen ermöglichen. Dazu gehört sogenanntes programmierbares Geld. Dabei wird eine Zahlung mit vorher festgelegten Bedingungen verbunden und automatisch ausgelöst, sobald diese erfüllt sind.

Ein Unternehmen könnte beispielsweise vereinbaren, dass ein Lieferant sein Geld automatisch erhält, sobald eine Lieferung digital bestätigt wurde. Auch Zinszahlungen, Versicherungsleistungen oder Wertpapiergeschäfte könnten mit solchen automatisierten Regeln verknüpft werden.

Swift nennt außerdem den sogenannten „Agentic Commerce“ als mögliches künftiges Einsatzfeld. Darunter versteht man Geschäftsprozesse, bei denen auf künstlicher Intelligenz basierende Software-Agenten selbstständig Waren oder Dienstleistungen auswählen, bestellen und bezahlen.

Blockchain ohne offene Kryptowährungen

Die Entwicklung zeigt, dass Banken die Blockchain-Technologie zunehmend unabhängig von frei handelbaren Kryptowährungen einsetzen. Im Mittelpunkt stehen nicht anonyme Zahlungen oder die Umgehung von Banken, sondern schnellere und automatisierbare Abläufe innerhalb des regulierten Finanzsystems.

Das unterscheidet diese Entwicklung deutlich von der ursprünglichen Idee hinter Bitcoin. Bitcoin wurde als dezentrales Geldsystem ohne zentrale Vermittlungsstelle geschaffen. Swift setzt dagegen auf bekannte Banken, kontrollierte Teilnehmer und eine koordinierende zentrale Infrastruktur.

Die Technologie wird somit übernommen, während ein großer Teil der ursprünglichen Dezentralisierung entfällt. Für Banken bietet das Vorteile bei Kontrolle und Regulierung. Für Nutzer bedeutet es aber auch, dass Zugänge, Transaktionen und Guthaben weiterhin von Finanzinstituten und gesetzlichen Vorgaben abhängig bleiben.

Mein Fazit: Blockchain wird zur Infrastruktur des Bankensystems

Der neue Blockchain-Ledger von Swift ist kein Bruch mit dem traditionellen Bankensystem, sondern dessen technische Weiterentwicklung. Das bestehende Netzwerk wird um eine zusätzliche Ebene ergänzt, über die tokenisierte Bankguthaben rund um die Uhr zwischen verschiedenen Instituten bewegt werden können.

Entscheidend ist die Reichweite von Swift. Zahlreiche Blockchain-Projekte können technisch überzeugend sein, scheitern aber an fehlenden Teilnehmern, Standards und Schnittstellen. Swift verfügt bereits über das internationale Bankennetzwerk, um eine solche Lösung in großem Maßstab zu etablieren.

Für Sie bedeutet dies: Blockchain-Technologie wird zunehmend unsichtbar in den regulierten Finanzalltag eingebaut. Der größte Nutzen dürfte vorerst weniger im Handel mit neuen Token liegen, sondern in schnelleren Auslandszahlungen, einer besseren Liquiditätssteuerung und der Verbindung bislang getrennter Finanzsysteme.

Markus Miller

One thought on “Swift bringt Blockchain ins Bankensystem!

  1. Hallo Herr Miller, Kompliment für die Qualität Ihrer wöchentlichen Nachrichten.
    Inzwischen habe ich BRD / Europa komplett verlassen und lebe in Paraguay. Hier sind Erträge aus ausländischen Kapitalanlagen 100% steuerfrei und erklärungsfrei. Und 300 Tage blauer Himmel.
    Ihre Swift-Erklärung und Perspektive beantwortet mir die Frage: Warum ist WISE in Belgien zu Hause …? Mag die Swift Nähe die entscheidende Rolle spielen? Jedenfalls ist Wise unschlagbar schnell und günstig. Angefangen hat Wise als Wettbewerber für Western Union. Scheint aber heute eine der größten Geldüberweisungsabwickler der Welt zu sein …?! Komischerweise ABER: Wise lehnt jede Verbindung zu Krypto (noch) ab. Verstehe wer will …?
    ich nutze dfx.swiss zum bequemen Transferieren von Fiat an Krypto und umgekehrt. Aber Wise kann ich weder als Absender noch als Empfänger dabei nutzen. Obwohl auch Wise ein IBAN Konto in Luxemburg unterhält. Hmmmm?!
    Danke für Ihre nützlichen Informationen.
    Viele Grüße Marcellino Hudalla

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