Stablecoins setzen Banken unter Druck!

(29.09.26) Eine Zahlung ins Ausland sollte heute so einfach sein wie eine Nachricht auf dem Smartphone. Für viele Unternehmen sieht die Realität anders aus: Geld ist unterwegs, doch wann es beim Empfänger ankommt und welche Kosten tatsächlich anfallen, ist oft schwer vorherzusagen. Gerade bei größeren Beträgen bindet diese Unsicherheit Kapital, das ein Unternehmen an anderer Stelle benötigt.

Eine Untersuchung von Capgemini macht das Ausmaß deutlich. 74 Prozent der befragten Großunternehmen beschreiben grenzüberschreitende Zahlungen als langsam, teuer und wenig vorhersehbar. Vom Auslösen einer Zahlung bis zu ihrer Bestätigung und Verbuchung vergehen im Durchschnitt rund dreieinhalb Tage. Mehr als die Hälfte der Unternehmen vermisst dabei aktuelle Informationen zum Zahlungsstatus.

Genau hier kommen neue Formen digitalen Geldes ins Spiel. Stablecoins sind digitale Token, deren Wert an eine Währung wie den US-Dollar oder Euro gekoppelt sein soll. Tokenisierte Einlagen sind Bankguthaben, die zusätzlich als digitale Einträge auf einer technischen Plattform dargestellt werden. Beide Ansätze sollen Zahlungen schneller und besser nachvollziehbar machen. Sie funktionieren aber rechtlich unterschiedlich: Wer einen Stablecoin hält, hat nicht automatisch denselben Anspruch wie bei einem Guthaben auf einem Bankkonto.

Warum Unternehmen Alternativen suchen

Stellen Sie sich einen deutschen Maschinenbauer vor, der einen Lieferanten in Singapur bezahlt. Für ihn zählt nicht allein, dass die Überweisung irgendwann ankommt. Er muss wissen, wann der Lieferant über das Geld verfügen kann, welcher Wechselkurs gilt und ob sich die Zahlung eindeutig einer Rechnung zuordnen lässt. Solange diese Informationen fehlen, muss er zusätzliche Reserven einplanen.

Bei internationalen Zahlungen sind oft mehrere Banken beteiligt. Das Korrespondenzbankgeschäft bezeichnet die Zusammenarbeit von Banken, über die Zahlungen in Länder und Währungen geleitet werden, in denen eine Bank keine eigene direkte Verbindung hat. Jede zusätzliche Station kann Prüfungen, Gebühren und Wartezeit mit sich bringen. Auch der Devisenspread spielt eine Rolle: Das ist die Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs einer Währung, die für Kunden einen Teil der Wechselkosten ausmacht.

Digitale Geldformen könnten manche dieser Abläufe verkürzen und Zahlungen auch außerhalb üblicher Geschäftszeiten ermöglichen. Capgemini erwartet, dass Stablecoins, tokenisierte Einlagen und digitales Zentralbankgeld bis 2030 zusammen rund vier Prozent des weltweiten Zahlungsvolumens erreichen könnten. Das ist eine Prognose, keine bereits erreichte Marktgröße. Die Studie stützt sich unter anderem auf Befragungen von 1.110 Großunternehmen und 300 Führungskräften aus Banken.

Banken haben noch einen Vorteil

Für Banken steht dabei mehr auf dem Spiel als die Gebühr für eine einzelne Überweisung. Auch Erträge aus Währungsumtausch, Zahlungsabwicklung und Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen könnten unter Druck geraten. Capgemini beziffert die betroffenen Zahlungsverkehrserträge auf 230 Milliarden US-Dollar. Diese Zahl beschreibt eine wirtschaftliche Größenordnung, keinen bereits eingetretenen Verlust der Banken.

Noch bevorzugen viele Unternehmen ihre Bank: 71 Prozent würden tokenisierte Zahlungen bei gleichen Kosten und gleicher Qualität lieber über eine Bank als über ein FinTech abwickeln. Zugleich wären fast 60 Prozent offen für Stablecoin-Dienstleistungen von Nichtbanken, wenn ihre Bank kein passendes Angebot macht. Vertrauen allein dürfte also nicht reichen, wenn andere Anbieter Zahlungen spürbar einfacher gestalten.

Für Banken sind tokenisierte Einlagen besonders interessant, weil das Geld weiterhin als Bankguthaben geführt wird. Für Unternehmen könnte daraus ein vertrauter Zugang zu schnelleren digitalen Zahlungsabläufen entstehen. Damit das im Alltag funktioniert, müssen allerdings verschiedene Bank- und Techniksysteme miteinander kommunizieren können. Ebenso wichtig sind Prüfungen gegen Betrug und Geldwäsche, bevor eine Zahlung ausgeführt wird.

Mein Fazit: Der Nutzen entscheidet

Stablecoins und tokenisierte Einlagen lösen nicht automatisch jedes Problem im internationalen Zahlungsverkehr. Ein schneller technischer Transfer hilft wenig, wenn der Empfänger das Geld nicht problemlos nutzen kann, Gebühren unklar bleiben oder eine Zahlung wegen fehlender Angaben hängen bleibt. Unternehmen werden die Lösungen wählen, die über den gesamten Zahlungsweg verlässlich funktionieren.

Die Banken besitzen dabei eine starke Ausgangsposition: bestehende Kundenbeziehungen, Erfahrung mit Zahlungen und Vertrauen. Der Druck wächst jedoch. Wer grenzüberschreitende Zahlungen transparenter, schneller und planbarer macht, kann künftig einen größeren Teil dieses Geschäfts übernehmen. Für Unternehmen wäre das ein handfester Fortschritt – unabhängig davon, ob die Lösung von einer Bank oder einem neuen Anbieter kommt.

Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com

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