(18.09.26) Am Flughafen Zürich wird derzeit erprobt, wie das Bezahlen mit digitalen Dollar-Token im stationären Handel funktioniert. Der Reisedetailhändler Avolta ermöglicht seinen Kunden vom 9. bis 25. September 2026, Einkäufe im Duty-free-Geschäft auf Ebene 2 mit dem Stablecoin USDC zu bezahlen. Der zeitlich begrenzte Pilotversuch soll zeigen, ob sich die Technologie auch unter realen Bedingungen an einem stark frequentierten Verkaufsort bewährt.
USDC ist ein sogenannter Stablecoin. Dabei handelt es sich um einen digitalen Vermögenswert, dessen Wert möglichst stabil an eine klassische Währung gekoppelt werden soll. Ein USDC entspricht grundsätzlich einem US-Dollar. Anders als Bitcoin soll USDC daher nicht in erster Linie von Kurssteigerungen leben, sondern als digitales Zahlungsmittel und Verrechnungseinheit dienen.
Für den Einkauf benötigen Sie eine digitale Geldbörse, eine sogenannte Wallet, in der sich USDC befinden. An der Kasse scannen Sie einen QR-Code und bestätigen die Zahlung in Ihrer Wallet. Die USDC werden anschließend über die Base-Blockchain direkt an den Händler übertragen. Eine Blockchain ist vereinfacht gesagt ein digitales Transaktionsregister, in dem Übertragungen nachvollziehbar und nachträglich kaum veränderbar gespeichert werden. Die Abwicklung soll innerhalb weniger Sekunden erfolgen.
Direkte Zahlung ohne Kartennetzwerk
Das Besondere an dem Versuch ist die direkte Übertragung von Wallet zu Wallet. Zwischen Käufer und Händler sind weder ein klassisches Kreditkartennetzwerk noch ein sogenannter Acquirer erforderlich. Als Acquirer bezeichnet man den Zahlungsdienstleister, der Kartenzahlungen für einen Händler verarbeitet und abrechnet. Technisch entwickelt wurde die Lösung gemeinsam mit dem Hamburger Unternehmen DevelopX.

Für Avolta kann dieser kürzere Zahlungsweg mehrere Vorteile bieten. Kartenzahlungen werden dem Händler häufig nicht sofort endgültig gutgeschrieben. Bei der Blockchain-Zahlung sollen die Beträge dagegen innerhalb weniger Minuten verfügbar sein. Gleichzeitig könnten Kosten für Zahlungsabwicklung, grenzüberschreitende Kartennutzung und Währungsumrechnung sinken. Ob und in welcher Höhe diese Einsparungen tatsächlich entstehen, muss der Praxistest allerdings erst zeigen.
Für internationale Reisende kann das Verfahren besonders interessant sein. Wer bereits USDC in seiner Wallet hält, muss für den Einkauf nicht zwingend seine Heimatwährung in Schweizer Franken umtauschen. Trotzdem ist eine Stablecoin-Zahlung nicht automatisch kostenlos: Je nach Wallet, Handelsplattform und Blockchain können Gebühren für den Kauf, die Übertragung oder den späteren Rücktausch anfallen.
Das sollten Sie vor einer Zahlung prüfen
Achten Sie zunächst darauf, dass Sie den richtigen Stablecoin auf dem richtigen Blockchain-Netzwerk verwenden. Im Zürcher Pilotprojekt wird USDC über Base eingesetzt. Base ist ein Blockchain-Netzwerk, das schnelle und vergleichsweise kostengünstige Transaktionen ermöglichen soll. USDC auf einer anderen Blockchain ist technisch nicht automatisch dasselbe Zahlungsmittel. Eine Überweisung über das falsche Netzwerk kann scheitern oder im schlimmsten Fall zum Verlust des Betrags führen.
Prüfen Sie vor der Bestätigung außerdem den angezeigten Betrag und die Empfängeradresse. Blockchain-Zahlungen lassen sich normalerweise nicht wie eine Kreditkartenbuchung einfach zurückholen. Haben Sie eine Zahlung selbst freigegeben, ist sie grundsätzlich endgültig. Bei Reklamationen und Warenrückgaben hängt die Erstattung deshalb vom Händler und dessen Rückgabeprozess ab. Genau solche Alltagssituationen – einschließlich Schichtwechseln und Retouren – sollen im Pilotbetrieb untersucht werden.
Berücksichtigen Sie zudem das Währungsrisiko. USDC orientiert sich am US-Dollar, während die Preise am Flughafen Zürich in Schweizer Franken ausgewiesen werden. Auch wenn USDC seinen Dollarwert hält, kann sich der Wechselkurs zwischen Dollar und Franken verändern. Der Stablecoin schützt Sie daher nicht vor Währungsschwankungen gegenüber dem Schweizer Franken.
Stabil bedeutet nicht risikofrei
Der Begriff Stablecoin darf nicht mit einer staatlichen Wertgarantie verwechselt werden. USDC ist kein digitaler US-Dollar der amerikanischen Zentralbank, sondern ein privat ausgegebener Token. Seine Stabilität hängt unter anderem von der Qualität und Liquidität der hinterlegten Reserven, der technischen Infrastruktur sowie der Zahlungsfähigkeit und Funktionsfähigkeit des Herausgebers ab.
Die Schweizerische Bankiervereinigung weist darauf hin, dass bislang kein Stablecoin seine Bindung an die jeweilige Referenzwährung zu jeder Zeit vollständig halten konnte. In Stressphasen kann der Marktpreis vorübergehend von einem US-Dollar abweichen. Entscheidend sind deshalb eine transparente Reservehaltung, ausreichende Liquidität und die Möglichkeit, den Token zuverlässig zum Nennwert einzulösen.
Auch die Regulierung ist komplexer, als es der einfache Bezahlvorgang vermuten lässt. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA beurteilt Stablecoins nach ihrer wirtschaftlichen Funktion, ihrer Besicherung und den konkreten Rechten der Inhaber. Je nach Ausgestaltung können unter anderem das Banken-, Geldwäsche-, Wertpapier- oder Finanzmarktrecht relevant sein. Die Aufsicht folgt dabei dem Grundsatz: Gleiche Risiken sollen grundsätzlich nach gleichen Regeln behandelt werden.

Mein Fazit: Vom Krypto-Handel zur Ladenkasse
Der Avolta-Test am Flughafen Zürich bringt Stablecoins aus dem Krypto-Handel an eine reale Ladenkasse. Das ist ein wichtiger Schritt, denn die Technologie muss nicht nur schnelle Transaktionen ermöglichen, sondern auch bei Retouren, Reklamationen, Netzwerkausfällen und Wechselkursschwankungen funktionieren.
Für Sie als Kunde bleibt die Zahlung vorerst eine interessante Zusatzoption – aber kein zwingender Ersatz für Bargeld, Debit- oder Kreditkarten. Nutzen Sie Stablecoins nur, wenn Sie Wallet, Netzwerk und Gebühren verstehen. Halten Sie außerdem eine alternative Zahlungsmöglichkeit bereit. Erst wenn digitale Zahlungen ebenso einfach, sicher und verbraucherfreundlich funktionieren wie etablierte Verfahren, können Stablecoins im Alltag tatsächlich eine größere Rolle übernehmen.
Mehr Hintergründe unter: www.markus-miller.com


