EUDI: Dresden testet die EU-Identitäts-Wallet!

(11.07.25) In Dresden ist der Startschuss für ein zukunftsweisendes Projekt gefallen: Die sächsische Landeshauptstadt wird zum Pilotstandort für die sogenannte EUDI-Wallet – eine digitale Brieftasche für den Identitätsnachweis, die europaweit einheitlich eingesetzt werden soll. Im Rahmen des Pilotprojekts können Bürger erstmals Funktionen der geplanten europäischen Lösung ausprobieren und Rückmeldungen geben.

Die EUDI-Wallet steht für „European Digital Identity Wallet“. Dabei handelt es sich um eine digitale App, mit der Sie Ihre amtlichen Dokumente, Nachweise und Berechtigungen künftig sicher auf Ihrem Smartphone speichern und europaweit verwenden können – etwa zur Anmeldung bei Online-Diensten, zur Altersverifikation oder für den digitalen Führerschein.

Ziel: Eine einheitliche digitale Identität für Europa

Die Vision der EU ist klar: Mit der EUDI-Wallet soll eine vertrauenswürdige, einheitliche und datenschutzkonforme digitale Identität für alle EU-Bürger entstehen. Diese soll bestehende Lösungen auf nationaler Ebene ergänzen oder langfristig sogar ersetzen. So könnte die EUDI-Wallet künftig den klassischen Ausweis im Portemonnaie überflüssig machen – im digitalen wie im analogen Alltag.

Dresden wurde als Pilotstandort ausgewählt, weil dort bereits eine gut entwickelte digitale Infrastruktur und Erfahrung mit Smart-City-Projekten vorhanden ist. Außerdem arbeitet die Stadt eng mit Partnern aus Wissenschaft und Verwaltung zusammen, um Digitalisierung praxisnah zu gestalten.

Welche Funktionen die Wallet bieten soll

Die EUDI-Wallet soll langfristig deutlich mehr können als nur den Identitätsnachweis. Geplant ist, dass Bürger Dokumente wie den Personalausweis, Führerschein, Gesundheitskarte oder Ausbildungsnachweise sicher und verschlüsselt auf dem eigenen Gerät speichern und verwenden können. Dabei behalten Sie stets die volle Kontrolle darüber, welche Daten Sie weitergeben und an wen.

Ein wichtiges Ziel ist die selektive Offenlegung von Informationen. Das bedeutet: Wenn ein Dienstleister etwa nur wissen muss, ob Sie volljährig sind, gibt die Wallet lediglich diese Information weiter – nicht jedoch Ihr genaues Geburtsdatum. Dies stärkt den Datenschutz erheblich und folgt dem Prinzip der Datensparsamkeit, also der gezielten Vermeidung unnötiger Datenweitergabe.

Datenschutz, Sicherheit und europäische Standards

Die Sicherheit und Integrität der EUDI-Wallet spielt eine zentrale Rolle. Die Wallet soll nach dem Prinzip der Selbstsouveränen Identität (Self-Sovereign Identity, SSI) funktionieren. Das bedeutet, dass Sie Ihre digitalen Nachweise selbst verwalten, ohne auf zentrale Datenbanken angewiesen zu sein – ein Konzept, das auch in der Blockchain-Welt Anwendung findet.

Alle Übertragungen und Speicherungen sollen dabei Ende-zu-Ende verschlüsselt erfolgen. Das bedeutet, dass nur Sie und der autorisierte Empfänger auf die übertragenen Daten zugreifen können – nicht jedoch Dritte oder Zwischenserver. Diese Verschlüsselungstechnologie ist zentral für vertrauenswürdige digitale Infrastrukturen.

Einsatzmöglichkeiten im Alltag und grenzüberschreitend

Die Einsatzszenarien der EUDI-Wallet sind vielfältig: Vom digitalen Behördengang über Hotel-Check-ins bis hin zur Altersverifikation in Online-Shops oder beim digitalen Unterschreiben von Verträgen. Auch grenzüberschreitende Einsätze in anderen EU-Staaten sollen problemlos möglich sein – etwa beim Mieten eines Fahrzeugs oder dem Zugriff auf ausländische Bildungs- oder Gesundheitsdienste.

Das langfristige Ziel ist ein EU-weiter Standard, der sowohl Behörden als auch Privatunternehmen eine einheitliche und sichere Schnittstelle bietet. Damit könnte die EUDI-Wallet zum zentralen Instrument für die Digitalisierung des öffentlichen Sektors und der europäischen Wirtschaft werden

Dresden als Vorreiter für die Identitätszukunft

Dresden nimmt mit diesem Pilotprojekt eine Vorreiterrolle ein und bietet interessierten Bürgern die Möglichkeit, sich aktiv an der Gestaltung dieser Zukunftstechnologie zu beteiligen. In den kommenden Monaten werden erste Anwendungsfälle getestet – begleitet von wissenschaftlicher Evaluation und politischer Abstimmung auf nationaler und europäischer Ebene.

Die Ergebnisse aus Dresden fließen direkt in die Weiterentwicklung der EUDI-Wallet ein. Auch andere EU-Länder starten in Kürze ähnliche Pilotprogramme, doch Deutschland – und speziell Dresden – gehört zur Speerspitze dieser Entwicklung.

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Markus Miller

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