OneCoin: Betrug – Chefin untergetaucht – Chef verhaftet – Website abgeschaltet!

Heute möchte ich zunächst einmal einen Rückblick machen in den Mai des Jahres 2016. In meiner Mai-Ausgabe von Kapitalschutz vertraulich habe ich damals den nachfolgenden Beitrag veröffentlicht. Anschließend wurde ich durch eine Rechtsanwaltkanzlei im Auftrag des Unternehmens „OneCoin“ (Bild: Logo) verklagt bzw. juristisch belangt, ebenso durch dubiose OneCoin-Vertriebler bzw. MLM-Drücker massiv diskreditiert und bedroht. Der Originalbeitrag aus Kapitalschutz vertraulich 05-2016.

+ Beginn Original-Beitrag aus dem Mai 2016 +

 Achtung! Freie Anlageberater vertreiben zunehmend fragwürdige Produkte

Vor einigen Wochen bekam ich von einem neuen Leser von „Kapitalschutz vertraulich” eine Frage in Bezug auf eine Kapitalanlage, die dieser vor kurzem getätigt hatte. Er bat mich dabei um meine neutrale Beurteilung seiner Investitionsentscheidung. Auf Rat seines unabhängigen Anlageberaters hat der Leser 80.000 Euro, die er bislang in physischen Industriemetallen veranlagt hatte, in eine neue virtuelle Währung namens Onecoin investiert. Onecoins wären nach Aussage seines „Beraters“ die neuen Bitcoins mit gigantischen Gewinnmöglichkeiten. Der Weg zum Millionär wäre bereits vorprogrammiert.

Bedenklicher Trend: Scheinbar unabhängige Finanzdienstleister vermitteln Onecoins

Ein weiteres Mal bin ich kurz nach der Zuschrift des Lesers auf die Onecoin-Thematik getroffen, als ich einen Vortag vor 40 freien Finanzdienstleistern gehalten habe. Diese Berater haben derzeit große Probleme. Zum einen wurden in der Vergangenheit oftmals schlechte Finanzprodukte vermittelt, die zu großen Vermögensschäden bei Kunden geführt haben, bis hin zu Totalverlusten. Das Vertrauen bei den betroffenen Kunden ist dadurch vollkommen weg. Einnahmen und Selbstvertrauen bei den Vermittlern fehlen dadurch ebenfalls. Zusätzlich sind viele Finanzberater mittlerweile in Prozesse verwickelt und dadurch teilweise in ihrer beruflichen, finanziellen und privaten Existenz bedroht.

Zum anderen haben viele freie Vermittler das sehr große Problem, dass sie aufgrund gesetzlicher Regulierungen zahlreiche Finanzprodukte gar nicht mehr beraten und vermitteln dürfen. Speziell ältere, eigentlich sehr erfahrene Finanzberater vertreiben aufgrund dieser Problematik mittlerweile ausschließlich Produkte, die keine aufsichtsrechtliche Zulassung als Finanzdienstleister erfordern. Dazu zählen beispielsweise physische Warengeschäfte mit Edelmetallen wie Gold und Silber, Technologiemetalle, Diamanten oder auch Handelsgeschäfte mit Immobilien.

Das ist für mich grundsätzlich in Ordnung, nur entstehen dadurch natürlich sehr häufig Klumpenrisiken bei den Kunden, weil wichtige Anlageklassen wie Aktien oder Investmentfonds in der Beratung außen vor bleiben müssen. Eine ganzheitliche Kundenberatung, in die auch die Bewertung von Wertpapieren mit einfließt, ist dadurch nicht mehr möglich. Die einstigen Finanzberater werden dadurch zu reinen Produktverkäufern mit einem nur noch sehr begrenzten Angebot.

Zahlreiche freie Finanzberater sind heute reine Marketing-Vertriebler

Mit Erschrecken musste ich darüber hinaus feststellen, dass viele freie Finanzberater ihren Lebensunterhalt mittlerweile nicht mehr über die Beratung und Vermittlung von Finanzprodukten verdienen, sondern über sogenannte MLM-Systeme. Dieses Kürzel steht für „Multi Level Marketing“. Der Begriff ist auch unter Network- oder Empfehlungs-Marketing bekannt.

Auch das ist grundsätzlich nicht pauschal schlecht. Vielleicht kennen Sie seriöse Unternehmen wie „Tupperware“, die ihre Kunststoff-Küchenartikel sehr erfolgreich seit Jahren durch ein direktes Empfehlungsmarketing vertreiben. Aber eine solche Vertriebsform hat natürlich überhaupt nichts mehr mit einer soliden Anlage- und Finanzberatung zu tun.

Kennen Sie Lyoness, Dubli, Herbalife, My Advertising Pays, Juice Plus und Onecoin?

Im Rahmen meines Vortrages habe ich mich mit vier anwesenden Finanzberatern am darauffolgenden Tag in Ruhe zusammengesetzt und sie gefragt, mit welchen Produkten sie derzeit ihr Geld verdienen. Genannt wurden mir keine Emittenten, Fondsgesellschaften oder Vermögensverwaltungen, sondern die Unternehmen Lyoness, Dubli, Herbalife, My Advertising Pays, Juice Plus und Onecoin. Das sind alles keine Finanzanlagen, sondern reine Marketing- beziehungsweise Gesundheitsprodukte.

Lyoness und Dubli sind beispielsweise Einkaufsgemeinschaften und Vertriebsprogramme mit Kooperationsverträgen zu den unterschiedlichsten Unternehmen. Sie versprechen bei allen Einkäufen Rabatte. Für Nutzer von Lyoness und Dubli gibt es dadurch Rückvergütungen, sogenannte Cashback-Zahlungen. Sowohl Lyoness als auch Dubli haben eigene Kreditkarten, die Cashback-Cards. Auf diesen Karten werden die Rückvergütungen gutgeschrieben.

Passive Einkommensquellen sind ein unseriöser Unsinn!

Der Haken dabei ist: Sowohl bei Lyoness als auch bei Dubli werden Neukunden animiert, sich als Partner für mehrere Tausend Euro einzukaufen und neue Kunden zu vermitteln. Dadurch entsteht ein Pyramidensystem. An jedem neu geworbenen Kunden verdient der Vermittler wiederum mit.

Am Ende des Tages sind diese angeblichen Einkaufsgemeinschaften wiederum reine Schneeballsysteme. Es für mich traurig, feststellen zu müssen, dass freie Finanzberater aus ihrer eigenen Orientierungslosigkeit heraus nunmehr derart fragwürdige Geldquellen erschließen und ihre Kunden mit scheinbar gigantischen Gewinnversprechen oder sogenannten „passiven Einkommensmöglichkeiten“ ködern. Es gibt kein passives Einkommen, das ist schlicht unseriöser Unsinn! Jedes Einkommen basiert auf einer Aktivität. Selbst ein Lottogewinn basiert auf der Aktivität, der Abgabe eines Scheins.

Am kritischsten sehe ich derzeit die stark zunehmende Vermittlung von Onecoin als angeblich neuer virtueller Währung. Die Werbeaussage des Unternehmens, sowie der Vermittler lautet: „Onecoin ist der nächste Bitcoin“. Bei Onecoin kann oder besser gesagt muss ein Neukunde und zukünftiger Vermittler unterschiedliche Ausbildungspakete erwerben. Von 100 Euro Investitionssumme bis zu 25.000 Euro. Dieses investierte Geld muss der Vermittler natürlich durch Weiterempfehlungen wieder hereinholen.

Zusätzlich kann Geld in Onecoins als scheinbare Kapitalanlage investiert werden. Je mehr Personen vermittelt werden und Geld einzahlen, desto höher fallen die verdienten Provisionen für den Vermittler aus. Die Provisionen bei erfolgreicher Vermittlung von Onecoin sind enorm hoch und bewegen sich bis weit in den zweistelligen Prozentbereich. Das kann und wird nicht funktionieren!

Achtung: Onecoin ist ein reines Schneeballsystem!

Onecoin ist keine neue Kryptowährung, vergleichbar mit Bitcoins. Ein Onecoin ist im Gegensatz zum Bitcoin zentralisiert, hat keinen offenen Quellcode, keine effiziente Limitierung und es gibt keinen freien Handel. Onecoin ist ein reines Schneeballsystem, das die Anpreisung der Vorteile einer Krypotwährung gezielt als Marketinginstrument einsetzt und für dubiose Vertriebszwecke nutzt.

Für mich ist Onecoin ein immer größer werdendes Betrugssystem. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieses Schneeballsystem zusammenbricht. Mein neuer Leser versucht bislang übrigens erfolglos, sein investiertes Geld in Höhe von 80.000 Euro zurückzuerhalten. Ich habe ihm empfohlen, rechtliche Schritte gegen seinen „Finanzberater“ einzuleiten. Ebenso habe ich ihm geraten, umgehend eine Anzeige wegen Betruges zu erstatten!

Für Sie gilt: Finger weg von Angeboten wie Onecoin!

Ich rate Ihnen zu erhöhter Vorsicht bei bankenunabhängigen Angeboten von freien Finanzberatern. Sollten Sie eine bestimmte, scheinbar neue virtuelle Währung oder ähnliche Anlage- oder Einkommensmöglichkeiten empfohlen bekommen, können Sie sehr gerne auf mich zukommen. Ihre Zuschriften helfen mir stets weiter bei meiner Arbeit. Welche Cryptocoins neben Bitcoins seriös und empfehlenswert sind, zeige ich Ihnen im nächsten Beitrag.

+ Ende Original-Beitrag aus dem Mai 2016 +

Was ist seither im Wesentlichen im Fall OneCoin passiert?

+ Ich habe meine damaligen Recherchen den Aufsichtsbehörden übergeben und Anzeigen erstattet

+ Im April 2017 hat die BaFin ein Onecoin-Verbot ausgesprochen, im Juli 2017 die FMA Österreich eine Investorenwarnung

+ Zahlreiche Behörden weltweit haben seither vor Onecoin gewarnt

+ Die Klage gegen mich habe ich erfolgreich abgewehrt

+ Die dubiose Initiatorin von OneCoin Dr. Ruja Ignatova (Bild) – die Kryptoqueen – ist 2017 untergetaucht und seither „verschollen“.

+ Ihr Bruder Konstantin Ignatov hat die operativen Geschäfte übernommen, er wurde im März 2019 in Los Angeles verhaftet, angeklagt und hat mittlerweile den Betrug gestanden!

+ Im November 2019 wurde aufgrund einer Behördenverfügung die offizielle Internetseite www.onecoin.eu vom Netz genommen und somit – endlich – abgeschaltet.

Meine Empfehlung im bereits eingetretenen Schadensfall: Polizei, Aufsichtsbehörden und Anwalt einschalten!

Sollte das Kind bereits in den Brunnen gefallen sein, sind die nachfolgenden Punkte ratsam:

1. Anzeige bei der Polizei erstatten

2. Nationale Aufsichtsbehörden informieren (BaFin, FMA, FINMA)

3. Beschreitung des Rechtsweges über einen spezialisierten Anwalt bzw. Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht – Hier steht Ihnen unser Experten-Netzwerk zur Verfügung! Weiterführende Infos…

Markus Miller

Gründer und Chefanalyst KRYPTO-X.BIZ und GEOPOLITICAL.BIZ

NEWSLETTER: Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen!

Abonnieren Sie jetzt – kostenlos – unseren freien Newsletter und erhalten Sie in regelmäßigen Abständen weiterführende Informationen rund um KRYPTO-X!

Schreibe einen Kommentar