Regulierung und Kommunikation: Neufund versus FMA Liechtenstein

Den nachfolgenden BLOG – der ursprünglich den Betreff „Blockchain: Neufund statt Neuland“ hatte – habe ich am 27.09.19 morgens veröffentlicht, auf Basis einer sehr interessanten Medienmitteilung der Fifth Force (Liechtenstein) GmbH. (I.) Am Abend des 27.09.19 hat die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein der Medienmitteilung der Fifth Force (Liechtenstein) GmbH widersprochen. Deswegen habe ich meinen Beitrag geändert und die Meldung der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein FMA nachfolgend ergänzt. (II.)

Am Samstag dem 28.09.19 kamen nun juristische Vertreter von Neufund auf mich zu mit der Bitte um eine Klarstellung. Auch dieser Bitte komme ich als Pressevertreter und Webseitenbetreiber selbstverständlich nach. Meine Einschätzung: Für mich ist es vollkommen unverständlich, dass die beiden beteiligten Parteien (Finanzmarktaufsicht Liechtenstein FMA und Neufund / Fifth Force (Liechtenstein) GmbH) nicht auf direktem Weg die Missverständnisse in der Kommunikation ausräumen konnten. Beispielsweise durch eine ganz einfache Klarstellung der Pressemitteilung von Neufund. Jetzt wird die vollkommen widersprüchliche, öffentliche Mitteilung der FMA selbstverständlich als Warnmeldung  wahrgenommen. Unabhängig ob berechtigt oder unberechtigt, es wird für alle Beteiligten (Standort Liechtenstein, FMA, Neufund) ein Schaden bzw. eine massive Irritation und Verunsicherung zurückbleiben. Allen voran im Hinblick auf die interessierten Marktteilnehmer.

I. Stellungnahme bzw. Klarstellung von Neufund (28.09.19)

Neufund (Fifth Force GmbH) hat in ihrer Pressemitteilung vom 16. September 2019 ausgeführt, es habe „Legal Clearance“ von der FMA für sein Geschäftsmodell erhalten. Dabei handelt es sich um den Betrieb einer Plattform für die Ausgabe von sogenannten Equity Token, in die jedwede Person investieren kann, egal ob Retail-Investor oder Institutional-Investor.

Diese Aussage ist richtig. Die Fifth Force GmbH hat der FMA das Geschäftsmodell und die Plattform vorgestellt und die FMA ist nach einer Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, dass Neufund für den Betrieb keiner Genehmigung bedürfe, sondern dass es legal sei, dies ohne eine weitere Lizenz oder ähnliches zu betreiben. Neufund hat in ihrer Pressemitteilung nicht behauptet, es habe eine Lizenz, es hat auch ausdrücklich nicht von einem „Approval“ gesprochen.

Wir bitten Sie daher höflich darum, in Ihrem Artikel klar zu stellen bzw. zu berichtigen, dass Neufund behauptet habe, es habe eine Genehmigung erhalten. Richtig ist, dass wir mitgeteilt haben, wir hätten die Bestätigung erhalten, die Plattform so betrieben zu können. Dem widerspricht bei genauerem Hinschauen die FMA auch nicht, sondern sie bestätigt es in ihrer Notice am Ende vielmehr, wenn sie sagt, dass nach ihrer derzeitigen Kenntnislage wir keine erlaubnispflichtigen Geschäfte durchführen.

Es ist auch nicht zutreffend, dass wir behauptet hätten, wir würden regulierte Angebote machen. Richtig ist, dass auf der Plattform Dritte Angebote präsentieren, nämlich die Zielunternehmen, die Fundraising betreiben. Diese Angebote sind dann auch reguliert, wenn sie etwa prospektpflichtig sind oder Ähnliches.

Quelle: Neufund

 

II. Mitteilung der FMA Liechtenstein – Hinweis zu Neufund / Fifth Force (Liechtenstein) GmbH (27.09.19)

Die Fifth Force (Liechtenstein) GmbH (Neufund) behauptet in einer Medienmitteilung vom 16. September 2019, die Plattform habe von der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein die Genehmigung erhalten, öffentliche Angebote mit einer Mindesteinlage von nur CHF 10 durchzuführen und sei damit für verschiedene Investoren, also auch Kleinanleger, zugänglich.

Die FMA weist darauf hin, dass die FMA der Fifth Force (Liechtenstein) GmbH, Vaduz, Registernummer FL-0002.609.744-9, (Neufund), keine solche Genehmigung erteilt hat. Die Fifth Force (Liechtenstein) GmbH verfügt über keine aufsichtsrechtliche Bewilligung der FMA und sie resp. deren Angebote unterstehen damit nicht der Aufsicht durch die FMA. Sie ist als Betreiberin der Webseite https://neufund.org/ nicht berechtigt, bewilligungspflichtige Finanzdienstleistungen in und aus Liechtenstein zu erbringen.

Die Fifth Force (Liechtenstein) GmbH resp. deren Angebote sind damit nicht beaufsichtigt. Die FMA hat bis dato keine Kenntnis davon, dass die Fifth Force (Liechtenstein) GmbH bewilligungspflichtige Tätigkeiten ausübt.

Quelle: FMA Finanzmarktaufsicht Liechtenstein

III. URSPRUNGSBLOG: Blockchain: Neufund statt Neuland – Beitrag vor der Mitteilung der Finanzmarktaufsicht FMA Liechtenstein! (27.09.19)

Heute wieder einmal der Blick auf eine sehr interessante Blockchain-Entwicklung aus dem innovativen Fürstentum Liechtenstein, dem „State of Blockchain“ in Europa. Das Unternehmen Fifth Force (Liechtenstein) GmbH hat eine Blockchain-Plattform entwickelt, über die Unternehmen mittels Schwarmfinanzierung (Crowdinvesting) Geld einsammeln können. Die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) hat aktuell grünes Licht für diese Alternative zu klassischen Wertpapierbörsen erteilt.

Über die Neufund-Plattform sollen sich Unternehmen jeglicher Größe Geld von Investoren sichern können. Dadurch sollen auch solche Unternehmen Zugang zu einer Unternehmensfinanzierung erhalten, die bei einem traditionellen Börsengang ausgeschlossen wären. Dieser Weg der Kapitalbeschaffung über die Blockchain nennt sich Tokenisierung.

Blockchain-Investments ab 10 Schweizer Franken

Durch die Zulassung der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein hat die Neufund-Plattform bzw. die Fifth Force (Liechtenstein) GmbH jetzt die Möglichkeit, öffentliche Angebote mit einer Mindesteinlage von lediglich 10 Schweizer Franken (CHF) durchzuführen. Obwohl die Neufund-Angebote dem liechtensteinischen Recht unterstehen, können auch ausländische Unternehmen diese innovativen Möglichkeiten in Anspruch nehmen.

Das erste Unternehmen auf Neufund, das für Kleinanleger emittiert wurde, ist beispielsweise Greyp, eine Elektromobilitätsplattform, die von Porsche, Camel Group und T-Mobile unterstützt wird.

Fazit: Die Tokenisierung der Finanzwirtschaft schreitet weiter voran!

Mit seiner liberalen Haltung gegenüber neuen Technologien ist das Fürstentum Liechtenstein ein attraktiver Standort für innovative Geschäftsmodelle. Die Blockchain ist für das Fürstentum Liechtenstein längst kein Neuland mehr. Im Gegensatz zu vielen Blockchain-Entwicklungen, die derzeit lediglich institutionellen Investoren vorbehalten sind, zielt Neufund überwiegend auf Kleinanleger ab.

Dennoch kommt der gezielten Auswahl und/oder der breiten Diversifikation eines Blockchain-Investments eine große Bedeutung zu. Auch konventionelle Wertpapierbörsen werden zunehmend Blockchain-Strategien zur Tokenisierung von Vermögenswerten forcieren. Weiterführende Infos…

Update (3. Oktober 2019):

Die Fifth Force (Liechtenstein) GmbH (Neufund) hat aufgrund des Hinweises der FMA vom 27.09.2019 eine Berichtigung ihrer Medienmitteilung veröffentlicht!

Markus Miller

Geschäftsführer GEOPOLITICAL.BIZ S.L.U.

Gründer und Chefanalyst KRYPTO-X.BIZ

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