ZEW-Umfrage zu Kryptowährungen: Wenn der Teufel vor dem Weihwasser warnt!

Am 20.09.19 hat das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim eine Pressemitteilung veröffentlicht mit dem Titel „Finanzmarktexperten halten digitale Währungen ohne strenge Aufsicht für gefährlich“. Die Einführung und Ausgabe von digitalen Währungen wie Libra, wie sie der Online-Konzern Facebook plant, oder Bitcoin ohne strenge gesetzliche Auflagen würde von „Finanzmarktexperten/-innen“ überwiegend kritisch gesehen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Sonderfrage im aktuellen ZEW-Finanzmarkttest, an dem sich 193 „Finanzmarktexperten/-innen“ beteiligt haben. Die Umfrage hat das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim im September 2019 durchgeführt.

88 Prozent der befragten „Finanzmarktexperten“ sehen in digitalen Währungen eine Gefahr für die Systemstabilität

Rund 88 Prozent der durch das ZEW befragten „Finanzmarktexperten“ sind der Überzeugung, dass digitale Währungen ohne enge regulatorische Aufsicht eine Gefahr für die Finanzstabilität darstellen. Selbst bei einer richtigen, an die Marktverhältnisse angepassten regulatorischen Ausgestaltung sehen nur 45 Prozent der Umfrageteilnehmer/innen in digitalen Währungen eine wohlfahrtsfördernde Innovation, was immer das auch sein mag. Diese pessimistische Einschätzung zeigt sich auch in den Erwartungen der befragten „Finanzmarktexperten/-innen“ an die Nutzung digitaler Währung zum Ende des Jahres 2020 sowie Ende 2030.

Für Ende des Jahres 2020 halten die durch das ZEW befragten „Experten/-innen“ eine alltägliche Zahlungsmöglichkeit mit Libra, Bitcoin oder einer durch eine nationale Zentralbank emittierte digitale Währung in Deutschland für wenig wahrscheinlich. Im Durchschnitt wird diese Wahrscheinlichkeit mit Blick auf Deutschland von den Befragten für Bitcoin mit 13 Prozent, für Libra mit acht Prozent und für eine von einer Zentralbank aufgelegten digitalen Währung mit vier Prozent angegeben. Im Vergleich dazu bescheinigen die Umfrageteilnehmer/innen den USA, China und Kenia – in dem afrikanischen Land wird der digitale Finanz- und Geldtransfer-Service „M-Pesa“ seit mehreren Jahren genutzt – eine jeweils höhere Wahrscheinlichkeit für die alltäglichen Nutzung digitaler Währungen.

 

Für Ende des Jahres 2030 wird die Wahrscheinlichkeit, dass digitale Währungen das Hauptzahlungsmittel sein werden, von den Befragten im Durchschnitt mit 23 Prozent veranschlagt. Das ZEW und der für die Befragung zuständige Leiter der ZEW-Nachwuchsforschungsgruppe „Design digitaler Märkte“ namens Dr. Dominik Rehse – der die Sonderfrage erhoben und ausgewertet hat – gehen davon aus, dass die jüngsten kritischen Äußerungen der Finanzministerien Deutschlands und Frankreichs die Erwartungen der „Experten/-innen“ dabei nachdrücklich eingetrübt haben.

Mein Fazit: Die ZEW-Umfrage und die getroffenen Schlussfolgerungen sind dubios!

Zutreffend ist, dass sich die beiden Finanzminister Olaf Scholz und Bruno Le Maire in einer gemeinsamen Erklärung in Helsinki kritisch bis pauschal ablehnend zum LIBRA-Projekt geäußert haben, mit einem Verweis auf systemische Risiken. Die Erklärung ist jedoch kein Verbot, das zwei Finanzminister auch gar nicht aussprechen können, sondern die Beschreibung der Aufgabe einer gemeinsamen Regulierung. Deutschland geht mittlerweile positiv, progressiv und pragmatisch an diesen Themenbereich der Digitalisierung heran. Die Bundesregierung sieht in der Blockchain-Technologie eine Schlüsselstrategie für die Zukunft. Deutschland hat als eines der ersten Länder Europas vor kurzem eine nationale Blockchain-Strategie verabschiedet!

Ich beurteile die ZEW-Umfrage und die getroffen, in der Pressemitteilung medienwirksam publizierten Schlussfolgerungen als dubios. Zunächst würde mich einmal interessieren, wer die befragten „Finanzmarktexperten“ überhaupt sind und welche Expertise im Hinblick auf die Digitalisierung des bestehenden Finanzsystems hier vorhanden ist? Die Stabilität unseres bestehenden Geld- und Finanzsystems ist in der Tat massiv gefährdet. Nicht durch Kryptowährungen, sondern durch den inhärenten Systemdefekt der Geldschöpfung, basierend auf zinsbasierten Krediten der Geschäftsbanken in Kombination mit der expansiven Geldpolitik und der künstlichen Negativzinspolitik der großen Notenbanken.

Kausalität und Kontext: Apfel, Birne, Bitcoin, USA und Kenia

Allein der vom ZEW getroffene Vergleich von Deutschland, den USA, China und Kenia zeigt die Absurdität der Umfrage. Was soll der – in Relation zu Deutschland, den USA und China – volkswirtschaftlich bedeutungslose Staat Kenia in diesem Kontext für eine Aussagekraft haben? Die Feststellung, dass die durch das ZEW befragten „Experten/-innen“ eine alltägliche Zahlungsmöglichkeit mit Libra, Bitcoin oder einer durch eine nationale Zentralbank emittierte digitale Währung in Deutschland für wenig wahrscheinlich halten ist – Stand jetzt – bereits ein Unsinn, in Bezug auf die Nutzungsmöglichkeiten des Bitcoins (BTC) als Zahlungsmittel.

Neben zahlreichen Akzeptanzstellen ist es längst möglich, Kryptowährungen wie den Bitcoin im Alltag des täglichen Lebens einzusetzen. Ob das aus administrativen oder monetären Gesichtspunkten Sinn macht, ist dabei eine andere Frage. Fakt ist allerdings, dass Krypto-Karten von Anbietern wie Wirex oder Bitwala heute schon eine Transformationsmöglichkeit von Krypto-Money (z.B Bitcoin) in Fiat-Money (z.B. Euro) ermöglichen, so dass an allen Akzeptanstellen von VISA oder Mastercard mit derartigen Kryptowährungs-Karten – online und direkt – bezahlt werden kann. Wir sprechen hier allein in Deutschland somit von über einer Million Akzeptanzstellen! Wie kann man – bzw. die ZEW „Finanzexperten/innen“ – vor dem Hintergrund dieser Fakten und Zahlen von einer „geringen Wahrscheinlichkeit einer alltäglichen Zahlungsmöglichkeit“ zum Ende des Jahres 2020 für den Bitcoin sprechen?

Die Krypto-Ökonomie ist KEINE Gefahr für die Systemstabilität!

Ich vermute, die befragten „ZEW-Finanzexperten“ kommen überwiegend aus der klassischen, alten und in weiten Teilen überholten Banken- und Finanzdienstleistungsbranche. Dabei ist die neue Krypto-Ökonomie keine Gefahr für die Systemstabilität, sondern für die Zukunftsfähigkeit dieser Branche der „Old Economy“ und natürlich für die berufliche Existenzberechtigung der involvierten Personen in der nahen Zukunft. Lassen Sie sich davon nicht beirren, investieren Sie in die Zukunftsmärkte von Digitalisierung, BigTechs, FinTechs, Cybersecurity, Blockchain, Bitcoin & Co. Weiterführende Infos…

Markus Miller

Geschäftsführer GEOPOLITICAL.BIZ S.L.U.

Gründer und Chefanalyst KRYPTO-X.BIZ

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