Open Banking und Open X!

Open Banking ist ein Begriff für Finanzdienstleistungen als Teil der Finanztechnologie, der sich auf die Verwendung offener APIs (Datenschnittstellen) bezieht. Dadurch wird es Drittentwicklern ermöglicht, Anwendungen und Services rund um ein Finanzinstitut zu erstellen. Noch ist Open Banking nicht ausgereift, doch schon tritt die Finanzdienstleistungsbranche in eine neue Phase der Innovation ein, genannt „Open X„.

„Open X“ erfordert eine deutlich engere Zusammenarbeit und Spezialisierung auf die jeweilige Stärke der Kooperationspartner. Zu diesem Ergebnis kommen die Studienautoren des World FinTech Report (WFTR) 2019, den Capgemini und Efma aktuell veröffentlicht haben mit dem Fazit, dass Banken und andere Akteure des Finanzdienstleistungssektors ihre Geschäftsmodelle entsprechend weiterentwickeln sollten.

Der WFTR 2019 identifiziert eine doppelte Herausforderung

Die doppelte Herausforderung besteht darin, das FinTechs damit kämpfen, ihr Geschäft zu skalieren und die Banken zögern immer noch bei der Zusammenarbeit mit FinTechs. Infolgedessen wollen die Branchenakteure über Open Banking hinaus gehen. Open Banking gilt seit langem als Transformationsziel der Finanzdienstleistungsbranche. Der World Fintech Report zeigt auf, dass die Entwicklung aber deutlich über Bankdienstleistungen hinausgeht.

Die Branche steht am Beginn einer grundlegenden Weiterentwicklung zu integrierten Marktplätzen, die sowohl Finanzdienstleistungen, als auch Services jeglicher Art anbieten. Dafür steht der Begriff Open X. In Open X werden Daten nahtlos ausgetauscht und die Ökosystempartner arbeiten wesentlich intensiver zusammen. Die aktuellen Untersuchungen und Ergebnisse aus dem WFTR 2019 zeigen, dass sowohl Banken als auch FinTechs zukünftig noch deutlich offener sein müssen, als viele bisher dachten.

Open X wird neue Entwicklungen und Möglichkeiten mit sich bringen

Bei Open X handelt es sich um eine effektivere, strukturiertere Form der Zusammenarbeit – ermöglicht durch die Standardisierung der Anwendungsprogrammschnittstellen (Application Program Interface / API) und durch gemeinsame Erkenntnisse aus Kundendaten. Dieser integrierte Marktplatz schafft spezialisierte Rollen für jeden Akteur und ermöglicht einen nahtlosen Austausch von Daten und Dienstleistungen. So kann er die Kundenzufriedenheit steigern und die Produktinnovation beschleunigen. Open X wird die Normen der Finanzdienstleistungsbranche verändern.

Das Aufkommen von Open X wird von vier grundlegenden Veränderungen angetrieben:

1. Einem Umschwenken vom Fokus auf Produkte hin zum Fokus auf das Kundenerlebnis.

2. Der Entwicklung von Daten zur entscheidenden Ressourcn

3. Der Abwendung von einer proprietären Betrachtung des Kunden und seiner Daten, hin zur gemeinsamen Nutzung dieser Informationen.

4. Ein häufigeres Eingehen von Innovationspartnerschaften statt eigene Lösungen zu entwickeln

Fazit: Open X wird die Finanzdienstleistungsbranche zu gemeinsamen Ökosystemen und geteilten Marktplätzen führen, in denen Produkte und Dienstleistungen neu gebündelt werden. Dafür müssen sowohl Banken als auch FinTechs und andere Partner ihre Strategien für Innovation und Kundenbetreuung neu bewerten.

APIs sind die Tore zu Open X

APIs ermöglichen Dritten, in einer kontrollierten Umgebung auf Banksysteme und -daten zuzugreifen. Sie werden als Katalysatoren zur Entstehung des Open-X-Marktplatzes beitragen. Während Kundendaten in der Branche bereits weitgehend geteilt und genutzt werden, sind standardisierte APIs nicht selbstverständlich. Die Anforderungen und Regularien sind komplex, doch Standardisierung wird helfen, Betrug zu reduzieren, die Kompatibilität zu verbessern, die Markteinführung zu beschleunigen und die Skalierbarkeit zu erleichtern.

Laut WFTR 2019 prüfen die Branchenakteure zwei potenzielle Monetarisierungsmodelle für APIs: Revenue Sharing, was 60 Prozent der Banken und 70 Prozent der FinTechs für machbar halten, und API-Zugangsgebühren, die 46 Prozent der Banken und 55 Prozent der FinTechs unterstützen. Allerdings sieht sich nur etwa ein Drittel der Führungskräfte von Banken derzeit in der Lage, APIs zu monetarisieren.

Bedenken zu Datenschutz, Sicherheit und Zusammenarbeit könnten den Fortschritt hemmen

Während Banken und FinTechs erklärten, dass sie die Bedeutung der Zusammenarbeit sehen, stehen für sie jedoch Bedenken zur Privatsphäre und Sicherheit im Vordergrund: Auf die Frage, was sie bei Open Banking beunruhigt, antwortete eine große Mehrheit der Banken: Datensicherheit (76 Prozent), Kundendiskretion (76 Prozent) und Kontrollverlust über Kundendaten (63 Prozent). FinTechs waren zwar optimistischer bezüglich Open Banking, aber auch von ihnen äußerten sich 50 Prozent besorgt über Sicherheit und Datenschutz und 38 Prozent über einen Kontrollverlust bei Kundendaten.

Auf die Frage nach Hindernissen für eine effektive Zusammenarbeit wiesen 66 Prozent der Banken und 70 Prozent der FinTechs auf Unterschiede in der Unternehmenskultur und Mentalität hin; 52 Prozent der Banken und 70 Prozent der FinTechs nannten Prozessbarrieren und 54 Prozent der Banken sowie 60 Prozent der FinTechs einen Mangel an langfristigen Visionen und Zielen.

Nur 26 Prozent der Führungskräfte von Banken und 43 Prozent der FinTech-Führungskräfte gaben an, den richtigen Open-Banking-Kooperationspartner bereits gefunden zu haben. Diese Antworten deuten darauf hin, dass viele Banken und FinTechs auf Open Banking weiterhin schlecht vorbereitet sind – und damit erst recht auf die gestiegenen Anforderungen an den Datenaustausch und die Integration, die Open X mit sich bringen wird.

Open-X-Teilnehmer müssen strategische, spezialisierte Rollen wählen

Innerhalb des Open-X-Marktplatzes sollten die Banken zunächst ihr integriertes, traditionelles Modell optimieren und sich dann auf Bereiche spezialisieren, in denen sie besondere Stärken haben. Der WFTR 2019 identifiziert drei strategische Rollen, die sich voraussichtlich als Teil von Open X entwickeln werden:

+ Anbieter werden Produkte und Dienstleistungen entwickeln

+ Aggregatoren werden Produkte und Dienstleistungen auf dem Markt sammeln, sie über eigene Kanäle vertreiben und Kundenbeziehungen pflegen

+ Orchestratoren werden als Koordinatoren des Marktes die Interaktion der Partner ermöglichen

Der Studie zufolge wird ein Ökosystem aus Spezialisten Vorteile gegenüber integrierten Unternehmen haben und beispielsweise eine schnellere Time-to-Market erreichen sowie den individuellen Anforderungen der Kunden besser gerecht werden.

Fazit: Die Ergebnisse der Studie könnten deutlicher nicht sein: Zusammenarbeit wird die Grundlage für die Zukunft der Finanzdienstleistungen sein. Nur durch Zusammenarbeit und die Übernahme neuer, spezialisierter Rollen können sowohl Banken als auch FinTechs Erfolg haben und ihre Kunden optimal bedienen. Es ist klar, dass es nach wie vor viele Hindernisse für die Zusammenarbeit gibt – doch es ist dringend nötig, sie zum gegenseitigen Nutzen zu überwinden. Weiterführende Infos …

Markus Miller

Geschäftsführer GEOPOLITICAL.BIZ S.L.U.

Gründer und Chefanalyst KRYPTO-X.BIZ

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