Deutsches Institut für Altersvorsorge: Bitcoin-Bashing?

Kennen Sie das Deutsche Institut für Altersvorsorge? Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) versteht sich nach eigenen Angaben als geistige Plattform eines umfassenden Diskurses über Altersvorsorge und Generationengerechtigkeit. Es soll unabhängig und neutral den Meinungsbildungsprozess zu Vorsorgethemen in der Öffentlichkeit fördern. Ich habe hier aktuell durchaus meine Zweifel an diesem Anspruch, wenn ich die aktuellen Ausführungen bzw. einen Beitrag des DIA-Gastautors Uwe Zimmer lese.

Uwe Zimmer ist Geschäftsführer der Fundamental Capital GmbH und CEO der IOB GmbH in Köln. Die Fundamental Capital schreibt über sich selbst, dass es die erste digitale Vermögensverwaltung anbietet, die aktive Hedgefonds-Technologien für Privatanleger zugänglich macht. Durch quantitative Modelle und selbstlernende Algorithmen würde es Fundamental Capital ermöglichen, den einfachsten und intelligentesten Zugang zu den besten Unternehmen der Welt zu schaffen.

Faktencheck: Marketing darf wie Satire vieles!

Das ist einfach nur Marketing-BlaBla, das können und bieten zahlreiche Vermögensverwalter oder FinTechs längst auch an, teilweise bereits seit vielen Jahren. Aber dennoch sind diese Aussagen auf der Internetseite des Unternehmens absolut legitim, selbstverständlich gilt hier: Werbung darf das!

Zwei Aussagen und Behauptungen von Uwe Zimmer im Faktencheck!

Aus dem Gastbeitrag von Uwe Zimmer für das DIA mit dem Titel „Bitcoin steigt, aber keiner geht mit“ habe ich nachfolgend einmal zwei wesentliche Passagen herausgegriffen, die ich sachlich wie fachlich differenzieren, zumindest aber relativieren möchte.

1. Behauptung: Bitcoin steigt, aber keiner geht mit

Originalzitat:Stell Dir vor, es ist Hausse und keiner geht hin. So ähnlich läuft es derzeit bei den Kryptowährungen. Der Bitcoin hat einen steilen Anstieg hingelegt, aber gerade deutsche Anleger bleiben oft außen vor. Das hat gute und schlechte Gründe.“

Faktencheck: Warum sollten denn deutsche Anleger außen vorbleiben?

Kryptowährungen sind in Deutschland nicht verboten! Ich bin der Ansicht, dass auf Basis von unterschiedlichen empirischen Erhebungen die Aktienquoten (Direktinvestments) bei deutschen Anlegern nicht signifikant höher sind, als die Quoten der Cryptocoin-Investoren. Dieser Aspekt ist zusätzlich noch zu relativieren, weil ja die Aktie als Anlageklasse weit etablierter ist, mit einer jahrzehntelangen Historie im Gegensatz zur neuen, noch jungen Anlageklasse der digitalen Assets der Kryptowährungen. Ich bin davon überzeugt, dass schon sehr bald empirische Zahlen belegen, dass unter den jüngeren, online-affinen Bürgern in Deutschland die Cryptocoin-Investitionsquote höher sein wird, als die Aktienquote, in Bezug auf Direktinvestments in Aktien.

2. Behauptung: Handel noch weitgehend unreguliert

Originalzitat:Einen guten Grund aber gibt es durchaus, warum Anleger sich von Investments in Kryptowährungen fernhalten. Der Handel mit den Coins und Token findet weithin unreguliert im Ausland statt. Immer wieder machen Handelsplattformen mit Skandalen größerer oder kleinerer Art auf sich aufmerksam. Die gehandelten Volumina sind kaum nachzuvollziehen, die Plattformen im Krisenfall kaum oder gar nicht erreichbar. Hier ist tatsächlich der Punkt, an dem Anleger sich überlegen müssen, auf welchem Weg sie in die Assetklasse einsteigen. Zu hoffen ist, dass es bald eine Plattform geben wird, die der europäischen oder deutschen Regulierung untersteht und echten Handel ermöglicht. Das gibt dem gesamten Markt dann auch noch einmal einen deutlichen, zusätzlichen Schub.“

Faktencheck: Es gibt längst solide und etablierte Kryptohandelsplattformen in Europa

Selbstverständlich gibt es bereits Krypto-Handelsplattformen aus Deutschland und zahlreiche weitere, innerhalb der Europäischen Union. Beispielsweise die Börse Stuttgart mit ihrer Krypto-Tochter „BISON“ oder Bitcoin Deutschland, die sogar über eine Banklizenz der BaFin verfügen. Mit Bitstamp hat eine der weltgrößten und bedeutendsten Kryptobörsen – bei einem sehr großen Handelsvolumen – ihren Sitz in Luxemburg. Das Großherzogtum liegt bekanntlich in Europa und ist Mitglied in der EU! Auch die Kryptobörsen Anycoindirect oder Litebit aus den Niederlanden, oder Bitpanda aus Österreich sind in EU-Europa mehr als etabliert.

Mein Fazit: Ein eigentlicher guter Beitrag mit fadem Beigeschmack!

Ich finde ganz grundlegend die Ausführungen von Uwe Zimmer zu Kryptowährungen gar nicht schlecht und durchaus auch weitestgehend rational und fundiert. Aber was aus dem Gesamtbeitrag gemacht wurde, beurteile ich als zu negativ in der Wertung und dem Gesamteindruck. Das liegt aber vermutlich nicht an Uwe Zimmer, sondern vielmehr am Deutschen Institut für Altersvorsorge. Vor allem die Überschrift „Bitcoin steigt, aber keiner geht mit“ ist faktisch schlicht falsch. Oder sind Sie als Leser von Krypto-X und Investor in Kryptowährungen etwa „Keiner“? Weiterführende Infos …

Markus Miller

Geschäftsführer GEOPOLITICAL.BIZ S.L.U.

Gründer und Chefanalyst KRYPTO-X.BIZ

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